Grassen Südgrat und Titlis Südwand

Top Wetter ist angesagt! Ein Sechsergruppe SAC-ler reisen mit ÖV und COVID-Maske ganz regelkonform ins Meiental zum Sustenbrüggli. Eine Anreise mit dem Privatwagen könnte durch Stau verzögert werden. Eine Anreise mit ÖV kann durch irgendwelche Defekte am Zug verzögert werden.
Unser Zug traf mit 15 Minuten Verspätung in Erstfeld ein und unser Zeitplan wurde arg auf die Probe gestellt. Der Anschlussbus hätte theoretisch warten müssen, sagte man uns. Aber eben nur theoretisch. Was jetzt? Einige Gespräche mit dem noch auffindbaren Zugpersonal führte dann doch zu einer guten Lösung. Ein Alpentaxi mit genug Platz wurde organisiert, welches uns schnurstracks zur Haltestelle Sustenbrüggli hochfuhr. Die Kosten hierfür wurden der Kostenstelle des verspäteten Zugs belastet. Diese Reiselösung war für unseren Zeitplan sehr wichtig, denn es lagen noch etliche Höhenmeter bis zum Grassenbiwak vor uns. Also, auf geht’s zur Sustlihütte für eine Trinkpause. Dieser Hüttenweg war auch gerade optimal zum Einlaufen. Der weitere Aufstieg und das Klettern im Plasirniveau am Südgrat auf den Grassen liessen uns den kleinen SBB-Ärger total vergessen und wir freuten uns über den festen und trockenen Felsen. Bei der Rekotour damals wurden wir von Regen, Wind und Nebel begleitet. Jetzt zeigte sich das Wetter von seiner besten Seite. Wie sind später als üblich am Berg unterwegs, da wir ja vom Flachland angereist sind. Alle anderen Seilschaften am heutigen Tag stiegen bereits wieder zur Sustlihütte ab. Diese Hütte wird uns heuer aber nicht beherbergen, sondern das unbewartete Grassenbiwak. Es ist eine Freude zu sehen, wie alle top zwäg sind, speditiv und sicher zum Gipfel des Grassen hochklettern. Ohne Hast und Eile geniessen wir ein ausgedehntes obligates Gipfelzeremoniel. Gipfelküsschen oder Umarmungen nur mit COVID-Maske und feinstem Eigenbrand vom Beat in der frühabendlichen Sonne. Danach noch ein kurzer Abstieg und wir treffen in unserem Nachtlager ein.
Angekommen im Grassenbiwak musste zuerst einmal der Tibaofen angeworfen werden. Maja hat sich kurzerhand mit dem Ofen angefreundet und in kürzester Zeit eingefeuert. Der Andi hatte da nur Rauch gemacht 😉 …..Das Wasser sprudelt auf der Höhe zwar unter 100°C, aber es dauert doch eine Weile bis wir genug heisses Wasser zum Kochen hatten. Unsere Bäuche waren leer und meldeten sich schon lange knurrend zur Füllung. Vielen Dank an die Damen für das feine Z’Nacht, die Herren erledigten den Abwasch. In der Zwischenzeit ist draussen die Sonne nicht mehr sichtbar. Grössere Wolkenschwaden legten sich um den Titlis und ums Grassenbiwak, was ich von meinen früheren Hüttenbesuchen her schon kannte. Also nichts neues für mich. So wird wohl auch nichts mit Sternegucken und NEOWISE Beobachtungen in der kommenden Dunkelheit. Jene Personen, die in der Nacht kurz raus gingen, verfolgte definitiv andere Ziele wie Sternegucken oder Wünsche anbringen vorbeiziehender Komenten oder Satelliten…..

Dieser Montagmorgen war für einmal ein anderer Wochenstart. Wir befinden uns mitten in den Bergen, die Wolken vom Vorabend haben sich verzogen und die Sonne bringt ihre wärmenden Strahlen in noch etwas müde Gesichter. Ein bisschen Kaffee, Käse und Brot zur Stärkung. Zähne und Hütte putzen und ab…. zum nächsten Abenteuer! Bald standen wir am Einstieg der gigantischen Südwand des Titlis. Wo geht’s den hier nun rauf. Mit etwas Spürsinn und den spärlichen Hinweisen aus menschlicher Hand finden wir langsam, aber sicher durch diesen mit Schotter bedeckten Hang hinauf zum Ausstieg des Chli Titlis. Wirklich, eine sehr interessante Linienführung durch diese Südwand. Vom Klettern im Felsen über Kraxeln im gut gestuften Gelände bis zum Alpinwandern im Schotter und Schneestapfen im 45° Schneefeld, findet hier der trittsichere Bergsteiger in 2-3h alles. Wenn Du aber hier in diesem Gelände Nebel mit oder ohne Regen vorfindest, hast Du echt ein Problem. Keine Sicht kein Weg! Das war heute aber absolut kein Thema und die Aussichten bis zu unserem Sustenhorn und weiter waren schlicht phenomenal. Weils so schön war besteigen wir gleich noch den höchsten Obwaldner und liesen im Abstieg den höchsten Nidwaldner-Gipfel links liegen. Hatten wir doch auch keine Zeit mehr für diesen Klettersteig und ein Abstieg bis Engelberg war für uns taffe Gruppe nun doch kein Thema mehr.
Ziemlich mürrisch zogen wir unsere COVID-Maske über zufriedene Gesichter und fuhren vermummt mit der Seilbahn ins Tal und weiterem ÖV zurück nach Hause. Und noch was….? Klar haben wir unseren Megadurst in Engelberg mit einem kühlen Bierchen gelöscht! Sehr empfehlenswert!

Danke allen Teilnehmern (Gerhard, Beat, Margrit, Judith und Maja) für die Mitorganisation, Verpflegung und Seilführung zu dieser spannenden Bergtour.
Andi