Nicht ganz Pfadi: wir versuchen den Regen erstmal auszusitzen im Bahnhofbuffet Spiez. Denn das Wetterradar zeigt: weiterhin Regen. Viel Regen. Bis um zwei Uhr nachmittags Regen. Was machen richtige Pfadis in einer solche Situation? Sie halten trotzdem ihre Sonntagsübung ab. Allzeit bereit. Dani meint, er könne noch bei stärkstem Regen mit Holz aus dem Wald Feuer machen. Nun gut, dann kann ja nichts schief gehen. Also, auf geht’s!
Auch nicht ganz Pfadi: da Aude und William mit dem Auto kommen, geben wir ihnen einen Teil der Ausrüstung für die «Pfadiübung» mit. Solchermassen erleichtert erreicht unsere beachtlich grosse Gruppe nach einer knappen halben Stunde das Übungsgelände. Im Vollschiff. Jetzt wieder ganz Pfadi: «Schwierigkeiten sind das Salz des Lebens». Daher wird als erstes in den Bäumen ein Unterstand gebaut mit der mitgebrachten Blache. So lässt sich fast im Trockenen sichern. Aber eben leider nur fast. Immerhin: einen Schluck Tee trinken lässt sich so ohne dass einem der Himmel und sein Sekret auf den Kopf fällt. Jetzt wäre eigentlich Danis Talent gefragt mit klatschnassem Holz ein Feuerchen zu machen. Aber nein, die Nässe übersteigt nun definitiv sein Talent.
Die wackeren «Pfadis» teilen sich nun in zwei Gruppen auf. Die eine Gruppe, die schon etwas Erfahrung mitbringt in dieser zugegebenermassen recht eigenartigen Tätigkeit beginnt sogleich mit dem Erklettern einiger einfacheren Routen mit Steigeisen und Eisgeräten. Die andere, die noch nie Felsen mit spitzem Eisen malträtiert hat, versucht sich erstmal darin in Bodennähe die oft nahezu unsichtbaren Tritte zu finden und danach zusätzlich auch noch die meist ebenfalls nahezu unsichtbaren Hooks für die Eisgeräte. Was lernen die wettertrotzenden «Pfadis» aus diesen ersten Schritten am Fels? Dass dieser Sport einerseits filigranes Feingefühl verlangt, die teils winzigen Strukturen zu finden und so kontrolliert ruhig zu belasten, dass sie das Körpergewicht halten und andererseits rohe Kraft, wenn es darum geht hoch anzublockieren und so zu verharren bis der nächste Hook gefunden ist. Es geht eigentlich sprichwörtlich darum eben einen Pfad zu finden um im Fels vorwärts zu kommen.
Nach einer kurzen Verpflegungspause und dem Verarzten eines blutenden Fingers geht nun auch die zweite Gruppe daran, die ersten Pfade in die Höhe zu finden. Und das tut sie trotz anhaltendem Vollschiff mit Elan. Jeden Tag eine gute Tat (oder mehrere Routen) so das Motto. Und so kommen bis zum Tagesabschluss dann doch noch einige Routen zusammen in meist schon beindruckend kompetenter Drytoolmanier. Doch irgendwann ist auch die letzte Faser nass und der Strom in Armen und Waden geht zur Neige und so wird’s der Jahreszeit entsprechend bald Zeit dem lustigen Treiben ein Ende zu setzen. Dani und ich blicken in nasse aber durchwegs zufriedene Gesichter. Und da diese «Pfadiübung» unerwartet viele «Pfadis» angelockt hat beschliessen wir noch im Gebiet ein Revival wiederum als sektionsübergreifende Übung mit dem SAC Hohe Winde und dem SAC Baselland, in einem Jahr. (Überdies verspreche ich hoch und heilig, dass ich bei der Buchung dann wirklich darauf achten werde das Kreuzchen bei «Sonnenschein» zu machen und nicht bei «Starkregen»…! 😉

