Winterkletterkurs über den Gerstelgrat, 11.01.26

Winterkletterkurs im Gerstel, echt jetzt?? Echt!

Der wirklich harte Kern des SAC Baselland widerstand am Sonntag dem (durchaus berechtigten) Verlangen die Skis aus dem Keller zu holen, stattete sich stattdessen neben dem üblichen Klettermaterial mit Steigeisen, Handschuhen, einem Pickel und warmen Kleidern aus und traf sich erst mal im Bad Bubendorf zum “Briefing” bei Kaffi & Gipfeli. So geht ein gediegener Einstieg ins Winterklettern!

Gut, irgendwann wird’s, aller Gemütlichkeit zum Trotz, Zeit die gute Stube zu verlassen und sich der Unbill der Elemente auszusetzen. Aber hey, wir wollten’s ja: recht winterlich, garstige Verhältnisse. Und was man beim SAC bestellt erhält man auch.

In Waldenburg angekommen ist also erst mal eigentliches Spuren angesagt bis zum Schloss hoch, in wirklich wadentiefem und sogar noch recht trocknem Schnee!

Noch auf dem Wanderweg werden zwei Zweier- und eine Dreierseilschaft gebildet und die Länge des Arbeitsseils mittels Seilverkürzung auf eine vernünftige Länge gekürzt.

Hoch gehts vom Waldboden auf den Felsgrat und schon kommt die Sicherungsmethode “kurze, schwierige Stelle” zum Einsatz. Auf dem tief verschneiten Grat mit felsigen Abschnitten und solchen in Gehgelände kommen auf diese Weise nahezu alle möglichen und zuvor im Trockenen durchdiskutierten Sicherungstechniken zum Einsatz, vom “gemeinsamen Klettern am laufenden Seil”, über die “Mikroseillänge” bis zum “Seilschaftsablauf” und dem vieldiskutierten “Gehen am kurzen Seil”, wobei der TL ausdrücklich auf die Gefahren und Grenzen dieser Methode verweist.

Unter diesen Bedingungen hats der Grat, über den man in lauem Sommerwind in den Turnschuhen “joggt” aber wirklich in sich: die Steigeisen verhängen sich überall, nur nicht auf den Tritten die man vor lauter Schnee nicht sieht, zwischen Fingern und Fels ist eine Schicht Handschuh und ebenfalls eine Schicht Schnee, was die unsichtbaren Griffe auch nicht besser macht und mit dem Pickel versucht man in den wirklich steilen Passage im Fels Hooks zu finden oder ihn in der Erde zu versenken wobei diese doch nicht wirklich durchgefroren ist, sodass die Belastbarkeit ihre klaren Grenzen hat. Zum Glück hats genug der juratypischen Bäumchen und Stauden an denen sich doch immer wieder mal eine Zwischensicherung per Bandschlinge anbringen lässt und wenns klettermässig wirklich zur Sache geht hin und wieder mal einen Bohrhaken. Derlei “forstliche Kleininstallationen” beruhigen das Gemüt in dieser Situation doch ungemein…! Aber ja, wir werden durch unsere selbstgestellte Aufgabe doch recht gut gefordert, was sich auch im, in diesen Bedingungen zu erwartenden, eher gemächlichen, Vorankommen zeigt. Aber die Vorgabe war klar: wir wollen profitieren von genau so einem Tag und möglichst viel davon lernen und / oder vertiefen, wie man sich bei winterlichen Verhältnissen in anspruchsvollem Terrain bewegt.

Aller Ernsthaftigkeit zum Trotz kommt der Spassfaktor wie immer auf Sektionstouren nicht zu kurz, so zeigt uns unser Alpinmodel Susanne den sogenannten “Walrossritt” was nur insofern mit dem Reitsport etwas gemein hat, als dass grundsätzlich geritten wird. Das Walross ist in diesem Falle aber nicht das Objekt das geritten wird sondern steht sinnbildlich für die Eleganz und die Effizienz des oder der Reiter:in 

Die Zeit schreitet unaufhörlich voran und nach dem Durchstieg durch und dem Aufstieg auf die Tüfelschuchi (en français: la cuisine du diable) und der sich ankündigenden Dämmerung beschliessen wir es dabei gut sein zu lassen. Ich bin überzeugt jede und jeder hatte heute mal so seine Aha-Erlebnisse, mal etwas gar kalte Finger (inkl. Chuenagel, jedenfalls ich…) und seine Momente wo auch mal der persönliche Angsthase etwas in Schach werden musste.

Was die meisten von uns nicht wussten und erst erfuhren nachdem alles Klettermaterial wieder im Rucksack verstaut war: Susanne, der Engel (tschuldigung, politisch korrekt müsste man heute wohl sagen: die Engelin) hat einen selbstgebackenen, prächtigen und rieeeeesigen Schoggikuchen über den ganzen Grat gewuchtet, den sie extra für uns mitgebracht hat! Was für ein würdiger Abschluss dieses Tages!

P.S: Ich bin sehr geehrt: beim Anziehen der Steigeisen am Einstieg habe ich kurz erklärt wie es sich vermeiden lässt, dass man diese nicht verliert, sollten sie sich doch mal vom Schuh lösen. William hat meinen Ratschlag anscheinend derart ernst genommen, dass er mitsamt den Steigeisen an den Füssen bis zum Parkplatz marschieren musste und sie sich erst dort in intensiver Teamarbeit zusammen mit Aude von den Schuhen lösen wollten. Das nenn ich mal solide Arbeit!